Wehe den Besiegten

Lieber Michael,

Als First Lady kennst Du diese Situation sicher auch: Man steht irgendwo bei einer Veranstaltung herum und darf sich nicht darüber beschweren, dass der ausgeschenkte Sekt lauwarm und halbtrocken ist. Stattdessen muss man launige Konversation mit Wildfremden machen und wird von denen zu allem Überfluss auch noch gefragt: „Ach, und Sie sind der Ehemann? Und was machen Sie so den ganzen Tag?“

Ich hasse das! Manchmal versuche ich es damit als Antwort: „Ich bin Journalist und zurzeit Hausmann. Warum trägt Ihre Frau eigentlich keinen Schleier? Übrigens ich interessiere mich kein bisschen für Fußball. Wissen Sie, ich finde, dass Patriotismus der Menschheit mehr geschadet hat, als die Beulenpest. Außerdem habe ich noch nicht mal ein Auto. Kinder und Haustiere auch nicht. Aber damit mir nicht langweilig wird, leite ich ziemlich erfolgreich einen Mädchenhändlerring.“

Wenn ich so etwas sage, ruft das meist stirnrunzelndes Erstaunen hervor. Aber die Gegenfrage ist fast immer dieselbe: „Wie? Sie interessieren sich nicht für Fußball? Auch nicht wenn die Nationalmannschaft spielt?“

Nein, auch dann nicht. Ob die deutsche Fußballnationalmannschaft oder irgendeine andere Mannschaft gewinnt oder verliert, ist mir total gleichgültig. War es schon immer. Während ich diesen Text schreibe, spielt Deutschland gegen Spanien im Halbfinale der WM. Meine Frau sitzt irgendwo in einer Moskauer Sportbar und fiebert mit. Ich nicht.

Letzten Oktober saß ich in einer kleinen Moskauer Kellerkneipe und habe mir dort ein Fußballspiel angesehen. Trotzdem.

Ein Freund hatte mich damals gefragt, ob ich mitkommen wolle – es sei wahnsinnig wichtig: die WM-Qualifikation. Deutschland gegen Russland! In Moskau!! Auf Kunstrasen!!! Und ordentliches Bier schenkten sie in der Kneipe Mit viel mehr als 400 Internet-Casino-Spiele, variierend von alten blackjack online und Roulette mit einem modernen Spiele wie Sic Bo, du bist angeboten alle Optionen moglicherweise verfugbar. auch aus, versprach er.

Ich sagte: „Nee ganz bestimmt nicht.“

Tags darauf hörte ich Radio. Auf einem deutschen Sender wurde der Einfluss von Kunstrasen auf das Spiel der deutschen Mannschaft, und der des Naturrasens auf das Spiel der russischen Mannschaft langwierig diskutiert. Später dagegen, auf einem russischen Sender sagte der Sprecher, man gewinne auf jeden Fall. Es sei genau wie 1941, da habe man auch gewonnen und diesmal werde man die Deutschen ebenfalls vernichtend schlagen.

Jetzt war ich doch neugierig geworden. Das war offenbar nun kein langweiliges Sportereignis mehr vor der Glotze. Jetzt war das ein Kriegsschauplatz mit Kunstrasen und ich der Kriegsberichterstatter.

Die Kneipe besaß acht Tische und zwei Fernseher von denen jeder an ein eigenes Dolby-Surround-System angeschlossen waren, sodass Stadionakustik en ligne casino france herrschte. An meinem Tisch saßen fünf Deutsche, ein Brite und ein Perser. Auf alle anderen Tischen verteilt saßen gut 30 Russen samt Nationalflagge in Stadiongröße. Alle Mannschaften tranken fleißig Bier. Nur ein Mann am Tresen, der sich als griechischer Spielbeobachter herausstellte, trank hartnäckig Rotwein.

Es ging los. Die deutsche Nationalhymne wurde gespielt und an unserem Tisch wurde müde gewitzelt, wer von den Spielern wirklich den Text kenne und wer bloß die Lippen bewege.

Dann die russische Nationalhymne. Plötzlich erhoben sich alle Russen in der Kneipe und sangen mit. Die Bedienung dagegen nutzte ihre Chance für ein Päuschen und setzte sich derweil.

Eine halbe Stunde später, alle saßen längst wieder, zeigte das Bild die Trainerbank. Dort waren auch Präsident Medwedew und Premier Putin auszumachen. Angesichts dessen setzte sofort aufrichtiger Jubel und Applaus an den russischen Tischen ein.

Ich fragte mich, ob es jemals irgendwo Jubel ausgelöst hat, weil Angela Merkel ein Fußballstadion betreten hat.

Über das Spiel selbst kann ich nicht viel sagen – ob es eine gute oder schlechte Partie war. Oder ob die eine gelbe oder die andere rote Karte gerechtfertigt war oder nicht. Ich war schon lange vor dem Abpfiff damit beschäftigt mir auszumalen, was passieren würde, wenn es nicht wie 1941 ausgehen würde. Wenn die Deutschen diesmal gewinnen. Inzwischen hatten alle Spieler so viel Bier getrunken, dass es für eine Prügelei ausreichen würde. Würde es Schmähungen oder gar Bierkrüge regnen?

Und dann siegte die deutsche Mannschaft tatsächlich. Ich war auf alles gefasst.

Nur nicht darauf, was dann kam.

Der Fahnenträger vom russischen Tisch kann an unseren. Im linken Arm seine Freundin mit dem rechten die Flagge zaghaft schwenkend.

„Ich wollte euch bloß sagen: Ihr habt gut gespielt. Glückwunsch zum Sieg. Lasst uns anstoßen.“ lächelte er. Und seine Freundin grinste: „Beim nächsten Mal gewinnen wir. Prosit!“

Tja, so schnell wurde man wieder vom Kriegsberichterstatter zum ganz normalen Biertrinker. Gottseidank. Trotz Fußball.

Viele Grüße aus Moskau

Markus

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