Die Eimer-Liste (1-5)

„Den Löffel abgeben“ heißt im Englischen „kick the bucket.“ Wohl deshalb gab es vor ein paar Jahren den Film „The Bucket List“, in dem Jack Nicholson und Morgan Freeman zwei Todkranke spielen, die nochmal auf die Pauke hauen wollen. In dieser Tradition, und im Gedanken daran, dass Abschiede immer kleine Tode sind, schreibe ich heute also meine persönliche Eimer-Liste, oder anders gesagt: Things I want to do, before I leave Ghana.

1

Noch einmal Red-Red mit gegrilltem Hühnchen essen

Für diejenigen, die nicht mit der westafrikanischen Küche vertraut sind: Red-Red sind in rotem Palmöl angebratene Kochbananen, die mit einer dicken Soße aus Bohnen gereicht werden. Dazu gibt es Hühnchenteile, die mir einer extrem leckeren und scharfen Marinade eingerieben und dann scharf gegrillt werden. Macht extrem satt, was schade ist, weil man gerne zweimal zulangen würde.

Nostalgiefaktor: Hoch.

Status: Erledigt.

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2

Noch einmal das Meer vor Accra sehen

Das Meer an der ghanaischen Küste ist meistens wild und ungemütlich. In den zwei Jahren habe ich nur einmal erlebt, dass die Dünung ein paar ungestörte Schwimmbewegungen erlaubten. Auch ist es nicht besonders sauber, weil die Ghanaer Plastiktüten in jeder Form, Farbe und Größe lieben, deren letzte Ruhestätte oft das Meer ist. Und das ist nur der sichtbare Unrat. Dennoch ist es dort am späten Nachmittag durch das warme Licht der sinkenden Sonne und die frische Brise einfach wunderschön.

Nostalgiefaktor: Mittelhoch.

Status: Erledigt.

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3

Noch einmal einen Herrenabend mit Bier, Billard und leichten Mädchen erleben

Ein Australier, wie kann es anders sein, lud mich letztens zu einem Herrenabend ein. Der begann am Strand von Accra mit einem Sundowner, der aus so viel Bier bestand, dass der kleine runde Tisch bald komplett mit Flaschen gefüllt war. Danach ging’s in ein bekanntes Etablissement, in dem man vor dem Einmarsch der weiblichen Gladiatoren unbehelligt eine Runde Pool-Billard spielen kann. Toll ist auch der „Pool-Boy“, der einem die Bälle in die Mitte legt und auch gerne mal eine Partie mitspielt. Das tat ich mir nur ein einziges Mal an. Er versenkte innerhalb von drei Minuten in einem Zug alle Kugeln und grinste dann blöde. Gegen 22 Uhr nimmt die Frauen-Quote stark zu, während gleichzeitig die Menge an Textil im Brust und Beinbereich pro Person dramatisch abnimmt. Anständige Ehemänner verdrücken sich dann nach Hause.

Nostalgiefaktor: Geht so.

Status: Erledigt.

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4

Noch mehr der herrlichen ghanaische Webstoffe namens „Kente“ kaufen

In Ghana gibt es zwei Schulen, die auf sehr archaischen Webstühlen den so genannten Kente-Stoff herstellen: Die Ewe- und die Ashanti-Kente, sehr schwer und – wegen der endlosen Handarbeit – sehr wertvoll. Ich bevorzuge die ruhigeren Ewe-Muster und warte sehnlichst auf die Ankunft des legendären „Kenteman“, ein älterer Herr, der auf den Vorweihnachtsmärkten in Accra den Stoff anbietet.

Nostalgiefaktor: Hoch.

Status: Offen.

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5

Noch einmal im Novotel Kaffee trinken und im Internet surfen

Das hiesige Novotel wurde zu meinem zweiten Büro und meiner zweiten Heimat. Während an meiner eigentlichen Arbeitsstelle andauernd der Strom ausfiel, es kaum fließend Wasser und damit auch nur sehr eingeschränkte sanitäre Einrichtungen gab, bot das Hotel all dies konstant an. Dazu gibt es guten Kaffee und leckere Snacks. Lustig war’s dort auf der Toilette, wo die hier verkehrenden Business-Männer auch während dieses Gechäfts die anderen Geschäfte nicht ruhen lassen wollten und ungeniert hinter verschlossenen Türen telefonierten. Außerdem hatte man in der Lobby die schnellste Internet-Verbindung in ganz Ghana. Letztens, bei meinem vermutlich 300.sten Besuch, kam der Kellner auf mich zu und sagte, ich könnte mir jetzt noch etwas aussuchen. Da ich eigentlich nichts wollte, schaute ich ihn nur fragend an. Daraufhin erklärte er, der Geschäftsführer habe weil ich ein so guter Kunde sei, soeben beschlossen, dass heute für mich alles aufs Haus geht.

Nostalgiefaktor: Extrem hoch.

Status: Erledigt.

FORTSETZUNG FOLGT