Lob der Harthörigkeit

Ist es das Alter, mein mühsam antrainiertes Englisch oder die Aussprache der Kenianer, die oft lieber Suaheli sprechen würden? Jedenfalls wollte ich letztens mal einen anderen Weg fahren und fragt deshalb zur Sicherheit den Inhaber des Ladens in dem ich gerade einkaufen war. Er erklärte mir die Strecke ausführlich und nannte dabei einen zunächst sehr erstaunlichen Orientierungspunkt, der sich hinterher als ein ganz anderer heraustellen sollte.

Auf der Hauptstrecke von Nairobi nach Karen (wo einst Baronin Blixen weilte) war an diesem Tag viel los. Also wollte ich retour eine Nebenstrecke nehmen, die laut Landkarte irgendwie auch wieder nach Nairobi zurückführen sollte. Ich fragte den Shopkeeper, was er davon hielte. Das sei überhaupt kein Problem versicherte er. Ich müsste nur nach einem Kilometer an der Total-Tankstelle rechts abbiegen und dann, wenn ich die Pressure Blood Secondary Girls School zur linken erblickte, einfach immer weiter geradeaus fahren.

Ich brauchte ein paar Sekunden, um die Informationen zu verdauen. „Pressure Blood School“, also Blutdruck Schule? Ja, ja, doch so hieße die. Ich habe ja schon oft gestaunt, deshalb staunte ich eben auch jetzt wieder und akzeptierte den seltsamen Namen für eine Mädchenschule widerstrebend. Vielleicht war es ja eine Schule nicht für höhere Töchter, sondern für Töchter mit höherem Blutdruck.

Aber ob sie nun so oder anders hieß, sie sollte mir auch nur als Wegmarke dienen. Deshalb diskutierte ich nicht lange, sondern fuhr los. Irgendwann kam die Total-Tankstelle, die eine Shell-Tankstelle war. Ich bog dennoch rechts ab und folgte der Straße brav, die Augen, soweit möglich, immer nach links gerichtet. Die Suche nach der Blutdruckschule war dann auch erfolgreich, jedenfalls so halb. Denn sie hieß nicht Pressure Blood, sondern Precious Blood, wodurch sich der Kontext vom medizinischen ins religiöse wendete.

Beides kann auf seine Weise heilsam sein. Mir wies die Schule jedenfalls den richtigen Weg.